11.07.2024

Was tut sich bei Himbeere und Co.?

Strauchbeeren-Versuche in Köln-Auweiler

Bereits mehrere Jahren wird getestet, ob bei Himbeeren statt 6 Ruten auch 4,5 Ruten/lfm (links im Bild) für einen guten Ertrag ausreichen
Foto: Valenta

Anfang Juli lädt das Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler immer zum Strauchbeeren-Rundgang ein, bei dem aktuelle Versuche vorgestellt werden. Wir waren im Juni schon mal dort und haben uns umgeschaut.

Brombeeren

Bereits mehrere Jahre experimentiert man in Auweiler mit den Topfgrößen bei Brombeeren. Anders als üblich bleiben die Long Canes in 4,7-l-Containern und werden nach der Anzucht nicht mehr umgetopft. Aufgrund des geringen Topfvolumens muss die Wasser- und Nährstoffverteilung absolut gleichmäßig erfolgen, da kaum Puffermöglichkeit besteht. Über vier Jahre lässt sich für `Loch Ness´ und `Sweet Royalla´ ein erstes Resümee ziehen: Die Erträge sind vergleichbar mit denen aus größeren Containern. Ein weiterer Versuch in Brombeeren, der über mehrere Jahre gemacht wurde, zielt auf Arbeitsersparnis ab. Die Triebe werden nicht mehr aufgefächert undm einzeln an den Drähten fixiert, sondern als Bündel an zwei Drähten befestigt. Dadurch ergeben sich pro Topf vier Bindestellen statt 18. Der Nachteil: Die Erträge und die Pflückleistung sind etwas geringer als bei der Standardvariante. Allerdings ist die Arbeitsersparnis relativ hoch.

Himbeeren
In einem Anbautechnikversuch stehen `Nobility´ und `Malling Bella´ als Cut-back und Mow-Down mit 4,5 Ruten/lfm im Vergleich. Bei Cut-back werden die Ruten nach der Herbsternte zurückgeschnitten und als Long Cane im nächsten Frühjahr´für eine Sommerernte weiterkultiviert. Bei der Mow-Down-Variante werden die Pflanzen nach der Ernte komplett zurückgeschnitten und für eine Herbsternte im nächsten Jahr weiterkultiviert. Erste Eindrücke:`Malling Bella´ hat im vergangenen Jahr schon in der Sortentestung geschmacklich überzeugt, allerdings sind die Früchte etwas weich. `Nobility´ wächst etwas schwächer und es wird sich zeigen, ob die Ruten eine ausreichende Höhe erreichen.

In einem weiteren Himbeer-Versuch geht es neben der Leistungsfähigkeit neuer Sorten auch um die Pflanzdichte. Die Frage: Lassen sich mit 4,5 Ruten/lfm gleiche oder zumindest ähnliche Erträge erzielen wie mit den standardmäßigen sechs Ruten/lfm? Das wird an der Standardsorte `Kwanza´ untersucht. In der Sortensichtung sind neben `Nobility´ und`Malling Bella´ in diesem Jahr auch `Amalia´ und `Optima´ aufgepflanzt.

Auch bei`Malling Bella´ wird in Auweiler getestet, wie sich die Pflanzdichte von 4,5 Ruten im Vergleich zu sechs Ruten/lfm auswirkt. Zusätzlich wurden die Long Canes in zwei Größen (1,30 m und 1,70 m Topfoberkante bis Spitze) sortiert aufgestellt.

Weil nicht immer alle Sorten als Long Cane verfügbar sind und die Profis am Versuchszentrum auch eigenen Erfahrungen bei der Anzucht machen wollen, werden von manchen Sorten auch eigene Long Canes produziert. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Sorten, die spät blühen wie `Lagorai´, weniger stark zurückblühen als Sorten mit früherer Blüte wie `Vajolet´. Dadurch kann es passieren, dass die Ruten bei ‚Vajolet´ sehr weit zurückblühen und entsprechend kürzer abgeschnitten werden müssen. Auch bei den Herbsthimbeersorten `Malling Bella´ und `Enrosadira´ besteht diese Gefahr. Laut Simon Schrey ist „sowieso zu überlegen, ob eine reine Sommerernte mit Herbstsorten Sinn macht“.

Jungpflanzen für Long Canes von Himbeeren werden standardmäßig in hohen 1,4-l-Containern, „Rosentöpen“, angezogen und später in 4,7-l-Container umgetopft. In Auweiler testet man in diesem Jahr zum ersten Mal, ob auch die Anzucht direkt im großen Container klappt – wie bei Brombeeren. Das System wäre z. B. für Betriebe, die ihre Long Canes selbst heranziehen, möglicherweise interessant. Es spart auf alle Fälle einiges an Arbeitszeit (fürs Topfen).

Im Tunnel wird mit Himbeeren unter anderem getestet, wie sich die Länge der Canes auswirkt. Die Long Canes von `Vajolet ´ wurden in unterschiedlichen Längen angeliefert. Daraus hat man in Auweiler direkt eine Versuchsfrage entwickelt: Wie sind Lateralanzahl und Ertrag, wenn die Canes statt 1,60 nur 1,30 m messen? Dern erste Teil der Frage konnte schon beantwortet werden: Die größeren Canes haben nicht mehr Laterale, sondern die Internodien sind einfach länger. Beim Aufstellen der Canes werden üblicherweise die Laterale der untersten 20 cm entfernt, da diese sich schlecht beernten lassen. Bei den kürzeren Canes war jetzt die Überlegung, alle Laterale mitzunehmen und die Töpfe etwas erhöht aufzustellen. Theoretisch
könnte so sogar ein gleich hoher, wenn nicht sogar höherer Ertrag erzielt werden wie mit den Canes in Standardhöhe. Außerdem wird in diesem Versuch der Einfluss der Pflanzdichte von sechs bzw. 4,6  Ruten/lfm untersucht.

Weitere Beeren

Seit mehreren Jahren werden die Standardsorten `Rovada´, `Marlena´ und `Jonkher van Tets´ in Auweiler im Container angebaut. Aktuell stehen die Pflanzen seit 2021 bzw 2022, mit 40 cm Pflanzabstand und eintriebiger Erziehung. Laut Simon Schrey ist bei ca. sieben Jahren die Grenze erreicht – dann ist der Topf so durchwurzelt, dass das Wasser bzw. die Nährlösung aus den Tropfern an den Containern herunterläuft und die Pflanzen nicht mehr genug aufnehmen können.

Bei den Stachbelbeeren stehen `Laprima´, `Leora´ und einige Nummernsorten im Anbautest – alle eintriebig erzogen, in 6,9-l-Töpen. Mit Stachelbeeren wird im Moment nicht viel getestet, genauso wie Haskap-Beeren sind beide Kulturen eher ein Nischenprodukt, das v.a. für Selbstvermarkter als Sortimentsergänzung interessant sein könnte. Insgesamt laufen in diesem Jahr am Versuchszentrum in Auweiler etwas weniger Versuche im Strauchbeerenobst. Das lieg v.a. daran, dass sich Simon Schrey nach der Verabschiedung des langjährigen Leiters des Obstbauversuchswesens, Ludger Linnemannstöns, als sein Nachfolger erst mit Praktikern und Beratern austauschen will, welche Fragestellungen besonders „unter den Nägeln brennen“. Denn bei Strauchbeeren legt man sich für mehrere Jahre fest, und „ein einjähriges Versuchsergebnis lässt noch keine wirkliche Aussage zu“, so Schrey.

Bei den Heidelbeeren läuft die Sortensichtung, allerdings flächenmäßig etwas verkleinert, weiter. Kommen neue Sorten auf den Markt oder scheinen Nummernsorten von Züchtern interessant für den Anbau im Rheinland, werden sie in Auweiler aufgepflanzt. `Duke´ ist hier immer noch die früheste Sorte und der Standard. Neben der Sichtung läuft ein Versuch, Heidelbeeren in torfreduziertem und sogar torffreiem Substrat anzubauen. Allerdings sieht man bereits nach zwei Jahren deutliche Unterschiede in der Wüchsigkeit – anscheinend kann man doch nicht alles ohne Torf kultivieren, Moorbeetpflanze bleibt eben Moorbeetpflanze. Ein ähnlicher Versuch läuft im Ökoanbau. Auch dort zeichnet sich ab,dass es für den Torfersatz Grenzen gibt.

Noch früher als `Duke´ sind Sorten des Typs Southern Highbush, die normalerweise nur in der südlichen Hemisphäre angebaut werden. Sie brauchen weniger Kältestunden und sind teilweise immergrün, was die Frostempfindlichkeit erhöht. In Auweiler stehen sie in großen Kübeln im Doppelfolienhaus und bringen dort gute Erträge und v.a. sehr große Früchte – vielleicht wieder etwas für die Direktvermarktung? Schwieriger als im Freiland ist allerdings die Nährstoff-Steuerung, wenn nicht
mit weichem Wasser fertigiert werden kann. Das Brunnenwasser in Auweiler weist von Haus aus schon einen hohen EC-Wert auf und so kommt es in den Töpfen zu einer Salzanreicherung, da nicht wie im Freiland durch Regen ausgewaschen wird. Laut Simon Schrey verträgt das `Duke´ nicht so gut, `Kolibri´ und `Valor´ stecken das besser weg. 

Marion Valenta

 

(Artikel aus GP 07/24)