09.05.2025

Invasion der Insekten

Japankäfer sind viel kleiner als Maikäfer und zweifarbig grün-braun, anders als komplett grüne

Dass sich Tiere auf der Welt ausbreiten, soweit es die Witterung zulässt, ist nichts Neues. Aber der globale Handel und der Klimawandel machen es möglich, dass immer öfter und schneller neue Arten nach Europa beziehungsweise Deutschland einwandern und sich hier etablieren. Darunter sind leider auch viele Schädlinge wie Baumwanzen, Japankäfer oder Mittelmeerfruchtfliegen. Auf dem Rheinischen Obstbautag ging Dr. Olaf Zimmermann auf die Möglichkeiten und Grenzen bei der Bekämpfung dieser Arten ein.

Der Zoologe vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg erläuterte zunächst den Begriff invasiv. Neue Arten an sich sind nämlich nicht das Problem. Sie können aber zu einem solchen werden, wenn natürliche Gegenspieler fehlen, hohe Reproduktionsraten vorliegen oder ein breites Wirtsspektrum vorliegt. Manchmal reicht schon eines der Kriterien, und eine neu etablierte Tierart wird zum invasiven Schädling. Der schon genannte Klimawandel fördert durch die steigenden Temperaturen v.a. klimasensitive Insekten. Ob eine Art als Quarantäneschädling eingestuft wird, entscheidet sich auf EU-Ebene. Ohne Einstufung gibt es im Umkehrschluss auch keine EU-Beihilfen und keine Bekämpfungsverpflichtung.

Japankäfer

Wie der deutsche Name schon sagt, kommt Popollia japonica aus Japan. Der glänzend grün-braune Käfer wurde 2023 erstmals nördlich der Alpen, in der Schweiz, nachgewiesen. In Deutschland gab es zwischen 2014 und 2022 bereits einzelne Funde. In den USA verursacht der Japankäfer rund 230 Mio. Dollar Schäden, in der EU ist er als Quarantäneschädling eingestuft, d. h. es besteht eine gesetzliche Pflicht zur Beobachtung und Bekämpfung.

Der Käfer hat einen 1- bis 2-jährigen Lebenszyklus und befällt über 200 verschiedene Pflanzenarten, darunter Rosen, Hopfen, Wein, aber auch Apfel, Kirsche, Beerenobst usw.. Der ca. 1 cm kleine Käfer besitzt ein grün-glänzendes Halsschild. Die kupferfarbenen Flügeldecken sind deutlich kürzer als der Körper, fünf kleine Haarbüschel und zwei größere am Hinterleib sind charakteristisch für die Art. Die Weibchen legen im Sommer 40-60 Eier, aus denen sich die Larven entwickeln, die ihr weitere Entwicklung im Boden durchleben. Die Engerlinge fressen an Wurzeln, bevorzugt auf bewässerten Grünflächen, die adulten Käfer an Blättern und Früchten.

In den USA wird der Käfer teilwiese mit Massenfängen bekämpft, die Käfer schwärmen dabei wie Bienen. In Deutschland wird versucht, die Ausbreitung noch aufzuhalten. Durch die Einstufung als Quarantäneschädling gelten bei einem Fund strenge Maßnahmen wie Verbringungsverbote oder Abdeckung von Parkanlagen oder Sportplätzen mit schwarzen Folien. Die Engerlinge der Japankäfer lassen sich mit Nematoden bekämpfen, in der Schweiz werden entopathogene Pilze und in den USA parasitische Fliegen getestet.

Grüne Reisewanze

Nezara viridula, die Grüne Reiswanze, wurde bereits 1994 in Baden-Württemberg nachgewiesen. Schäden werden aber erst seit ca. zehn Jahren gemeldet. Wahrscheinlich haben die zunehmend milden Winter ihr Überleben gesichert. Das Verbreitungsgebiet der Wanzenart ist auf Gebiete mit mind. 5 °C Temperaturmittel im Januar begrenzt.

Woher die Art ursprünglich stammt, ist nicht ganz klar, evtl. aus Ostafrika, sie ist mittlerweile weltweit verbreitet und weist ein extrem breites Wirtsspektrum auf. Gefunden wird sie zunehmend in Strauchbeeren und an Gewächshausgemüse, wo sie immensen Schaden anrichten kann. Um sich vom Pflanzensaft zu ernähren, sticht sie Triebe, Blätter und Früchte an. Durch die Saugtätigkeit kommt es zu Fleckenbildung, Deformationen und Absterbeerscheinungen. Zusätzlich können die Tiere ein unangenehm riechendes Sekret absondern, das den Geschmack von Früchten negativ beeinflusst.

Zu den Hauptwirtspflanzen gehören Hülsenfrüchte (u. a. Soja, Bohnen), aber auch Gemüse (u. a. Tomaten, Melanzani, Paprika), Obst, Wein und Beeren (u. a. Apfel, Himbeere), sowie Ackerkulturen (Mais, Kartoffel), Kräuter, Ziergehölze und -pflanzen, diverse Beikräuter und Zwischenfrüchte werden gerne von ihr aufgesucht. (Quelle: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES)

Nach der Eiablage im April/Mai – es können über 100 Eier in symmetrischer Anordnung pro Gelege sein – schlüpfen die rot-braunen Nymphen. Über fünf Stadien, die zunächst schwarz, später dunkelgrün mit hellen Punkten sind, entwickeln sich die Tiere zu adulten Wanzen. Diese sind dann grün mit drei weißen Punkten am vorderen Rückenschildrand.

Die Bekämpfung gestaltet sich sehr schwierig, da die Tiere sehr robust sind, vor allem die adulten Wanzen. Es gibt auch keine Pheromone, die zum Fangen oder Verwirren verwendet werden könnten. Eingeschleppte Nützlinge wie die Schlupfwespenart Trissolcus basilis oder die Federfußfliege, die 2010 bzw. 2018 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurden, könnten helfen, die Reiswanze zu dezimieren. Leider etablieren sich bislang im Labor nachgezüchtete und freigesetzte Schlupfwespen nicht.

Marmorierte Baumwanze

Trissolcus japonicus, die Samuraiwespe, die auch Eier der Marmorierten Baumwanze parasitiert, hat sich hingegen schon gut in Deutschland verbreitet. Eine gezielte Freisetzung in Baden-Württemberg soll über eine Bundes-Verordnung geregelt werden. Die Marm. Baumwanze verbreitet sich schneller in Deutschland als die Reiswanze, hier gibt es auch in NRW und verteilt über das ganze Land Funde. Halyomorpha halys kommt im Frühjahr aus ihren Überwinterungsquartieren (gerne auch Gebäude) und sucht sich ihre Wirtspflanzen. Eier legt sie erst im Sommer, ca. 28 Eier als lockere Gruppe auf Blattunterseiten. Über fünf schwarz-graue Nymphenstadiuen entwickelt sich die Marm. Baumwanze zum adulten Tier. Sind die Wanzeneier gräulich, wurden sie bereits parasitiert.

Halyomorpha halys durch Pheromone anzulocken und durch Fallen zu dezimieren, ist sehr aufwendig und hat sich als Bekämpfungsmaßnahme nicht etabliert. Einnetzungen wie sie z. B. schon gegen die Kirschessigfliege praktiziert werden, bieten eine Möglichkeit. Wichtig: stabile Netze wählen und auf gut verarbeitete Nähte achten, guten Bodenabschluss sicherstellen, maximale Maschenweite <7 mm Durchmesser bei runden Öffnungen bzw. <3 mm bei schlitzförmigen.

Die Schadsymptome sind bei der Marm. Baumwanze ähnlich wie bei der Grünen Reiswanze, v. a. die Fruchtdeformationen verursachen hohe Ausfälle. Leider ist Halyomorpha sehr polyphag, d. h. sie befällt sehr viele verschiedene Pflanzen. Ihre Hauptwirtspflanzen sind Obstgehölze, aber auch Sommerflieder, Blauglockenbaum, Trompetenbaum sowie Paprika und Tomate.

Mittelmeerfruchtfliege

Ceratitis capitata trat 2023 sehr stark im Südwesten Deutschlands auf, v. a. an Äpfeln, aber auch an gekauften Kakis und Birnen. Sie ist hierzulande keine Unbekannte, wurde sie doch schon in den 1930er-Jahren hier nachgewiesen. Seitdem verursachte sie unregelmäßig Schäden in Deutschland oder der Schweiz. Die ursprünglich wahrscheinlich aus Afrika stammende Bohrfliegenart verpuppt sich in den oberen Bodenschichten, deshalb ist sie sehr frostanfällig. Adulte leben durchschnittlich zehn Wochen und Weibchen können zwischen 300 und 800 Eier liegen. Es sind mehrere Generationen pro Jahr möglich, bei 25 °C dauert es 32 Tage von einer zur nächsten Generation.

Die Mittelmeerfruchtfliege schafft aus eigener Kraft max. 20 km, kann sich allerdings durch Verdriftung auch weiter verbreiten. Sie hat ein breites Wirtsspektrum im Obstbereich, v. a. Pfirsich und Aprikose werden befallen. Sie tritt weltweit auf, in Deutschland saisonal, da sie sich noch nicht im Freiland etablieren konnte. Möglicherweise bietet aber der geschützte Anbau auch geeignetete Überwinterungsquartiere. Die Mittelmeerfruchtfliege ist polyphag und bevorzugt in Europa z. B. Aprikose, Birne, Apfel oder Kiwi, aber auch gelegentlich Paprika oder Walnuss.

Die Schadbilder: Minifraß in der Frucht und sekundärer Befall durch Pilze und Bakterien verursachen matschiges Fruchtfleisch, glasige Bohrgänge sind von außen erkennbar. Monitoring gegen die Fruchtfliege findet mittels Gelbtafeln oder Easy-trapFallen statt. Für die Bekämpfung sind in Deutschland keine natürlichen Gegenspieler nachgewiesen. Noch ist offen, wie eine strategische Bekämpfung aussehen könnte.

Marion Valenta

(Artikel aus Gp 05/25)