Feuerbrand zurück – „Was ist das?“ fragen Jüngere

Die typische Spazierstockkrümmung ist ein Merkmal des Feuerbrands, wie auch die rostbraunen nektrotischen Blätter. Am Stamm können Risse und schwarze Rindenpartien auf den Feuerbrand weisen, darunter sind dann braune Verfärbungen zu finden. In der Vegetationszeit kann infektiöser Schleim aus Stammrissen, Trieben oder den befallenen Blütenresten austreten.>7br>Foto: DLR
In der letzten Januarwoche fand im Rahmen der AgrarWinterTage auf dem Messegelände in Mainz-Hechtsheim der Obstbautag Rheinland-Pfalz Süd statt. Eingeladen hatten das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück (DLR RNH) mit dem Arbeitskreis Erwerbsobstbau (AEO) Rheinhessen sowie dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Ein sehr aktuelles Thema war der Feuerbrand, der sich im vergangenen Jahr nach über 30 Jahren erstmals wieder stark gezeigt hat.
Peter Hilsendegen und Lukas Myrzik vom DLR RNH warnten alle Obstbauern, Kommunen und Privatpersonen. Das Feuerbrandbakterium Erwinia amylovora ist zurück. Es befällt vor allem Kernobstgewächse. „Das feuchte Wetter im vergangenen Jahr hat die Ausbreitung sehr begünstigt“, sagte Hilsendegen. An zwei Standorten – zwischen Mainz und Ingelheim sowie zwischen Neustadt an der Weinstraße und Bad Dürkheim – blieb den Behörden nur noch die Rodung, die aufgrund der Feuerbrandverordnung durchgeführt werden muss. Auch die Entfernung von Bienenvölkern in den betroffenen Regionen wird von den Behörden angeordnet.
Hilsendegen gab zu bedenken, dass die Infektion nicht vorbei sei, sondern je nach Witterung dieses Frühjahr sich weiter ausbreiten wird. „Wird es ein feucht-warmes Frühjahr, dann erleben wir eine Katastrophe“, stellte der erfahrene Berater klar. Im Winter kann man Feuerbrand nur bedingt erkennen. Hinweise sind Fruchtmumien, braune Verfärbungen und Risse am Stamm sowie schwarze Rindenpartien, die an Verbrennungen erinnern, daher komme der Name. Die Bakterien überdauern die Vegetationsruhe in erkrankten Rindenteilen. Von hier erfolgt im Frühjahr und Sommer die Verbreitung hauptsächlich durch Regentropfen, Wind und saugende und blütenbesuchende Insekten, aber auch das Schnittwerkzeug. Die Krankheit beginnt meist mit Blüteninfektionen, die dann im weiteren Jahresverlauf zu massivem Befall der Triebe führen können.
Spazierstockkrümmung des Jungtriebes als Symptom
Die Jungtriebe sterben plötzlich ab und es ist das typische Symptom zu sehen: Die Spazierstockkrümmung des Triebes, der später nekrotisch rotbraun verfärbt. Im Sommer erzeugt das Bakterium einen hochinfektiösen Schleim an Stamm und Ästen. Besonders anfällig sind M9-Unterlagen. Während im Winter das Schnittgut der befallenen Bäume durch Häckseln unschädlich auf der Fläche verbleiben kann, müssen die hochinfektiösen Triebe, Äste oder Stämme im Sommer von der Fläche gebracht werden, um weiteren Schaden zu vermeiden. Der neue Obstbauberater Myrzik empfahl, an kalten und trockenen Wintertagen, zudem bis 40 cm weit ins gesunde Holz zu schneiden und das Schnittwerkzeug abends immer gleich zu desinfizieren. Als Warndienst kann online das Prognosemodell Isip verwendet werden unter www.isip.de/isip/servlet/isip-de/entscheidungshilfen/gartenbau/apfel/feuerbrand.
Während der Blüte können folgende Pflanzenschutzmittel gegen Feuerbrand eingesetzt werden: Cuprozin progress, Coprantol Duo, Grifon SC und Blossom Protect, das mit Buffer Protect NT die Spritzbrühe richtig einstellt. Als Wirtspflanzen dienen dem Feuerbranderreger alle ursprünglichen Apfel- und Birnenarten, Zierapfel, Quitte, Zierquitte, Weiß-, Feuer- und Rotdorn, Eberesche, Mehlbeere, Cotoneaster, Felsenbirne und viele mehr.
Obstbauern haben nicht nur mit den wetterbedingten Problemen zu kämpfen, sondern auch mit den Behörden. Da der Obstbau ein Nischendasein in Deutschland fristet, haben sich die Obstbauern in Arbeitskreisen und der Bundesfachgruppe Obstbau (BFGO) zusammengeschlossen, um gemeinsam für ihre Belange zu kämpfen. Theresa Pfeifer ist Mitglied in der BFGO für den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Sie erläuterte den Obstbauern vor Ort, welche Aufgaben die BFGO erledigt. Neben Pressearbeit – hier werden bei Falschberichten, Gegenberichterstattungen verlangt oder gar der Deutsche Presserat eingeschaltet. Bei der typischen Lobbyarbeit, also den Gesprächen mit Politikern, legte die BFGO zahlreiche Forderungen für die Bundestagswahl auf, unter anderem: Keinen 15 € Mindestlohn, Investitionsförderung, Drittstaatenregelung, bundeseinheitliche Förderung von Versicherungsprämien, steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, Erhalt der Pauschalierung bei Rückführung auf 9 % sowie Verbesserung und Vereinfachung der PSM-Zulassung.
Gewässermonitoring und Expositionsbewertungen verlangt
Was kaum einer weiß, ist, dass die BFGO auch die Beantragung der Zulassungen und Notfallzulassungen für die einzelnen Obstbauregionen übernimmt. Dies erledigt Uwe Harzer, der ehemalige Mitarbeiter des DLR Rheinpfalz, der sich bestens mit der Pflanzenschutzsituation im Obstbau auskennt. Pfeifer bemerkte, dass der BFGO kaum noch Zeit für die eigentlichen Arbeiten bleibe, da die Zulassungen mehr und mehr Zeit benötigen. Es kommen Anwendungsbestimmungen dazu und im Fall von Exirel und Coragen verlangt das BVL nun auch noch ein Gewässermonitoring, das die BFGO durchführen muss. Und das Bundesamt für Risikobewertung behindert zunehmend Anwendungen wegen der „Expositionsbewertung für Anwohner und Kinder“, derzeit bei Affirm Opti.
Wasserhaushalt durch Bodenabdeckung optimieren
Das nächste trockene Jahr kommt bestimmt. Und daher wurden an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim Versuche zur Optimierung des Wasserhaushalts durch Bodenabdeckung im Baumobst durchgeführt. Annika Killer stellte die Ergebnisse des Interreg-Projekts vor, das an vier Standorten parallel lief. Ein Standort bei Würzburg und drei Standorte am Bodensee. Als Mulchmaterial dienten eine Untersaat, Holzhackschnitzel, Nadelholzrindenmulch, Miscanthus, Grassilage und je eine Kontrolle, bei der nichts unternommen wurde.
Im ersten Jahr zeigten sich Miscanthus, Nadelholzrindenmulch und Holzhackschnitzel als positiv, im zweiten Jahr Miscanthus und Holzhackschnitzel und im dritten Jahr nochmals Miscanthus und Holzhackschnitzel. „Die Untersaat erwies sich als zu starke Konkurrenz zu den Jungbäumen, sodass diese im zweiten Jahr an Vitalität verloren“, sagte Killer. Die drei Mulcharten Miscanthus, Nadelholzrindenmulch und Holzhackschnitzel erwiesen sich in den Jahren als die Varianten, die die Bodenfeuchte am besten hielten.
Sprühmulch war auch relativ gut, muss jedoch ebenso wie die Grassilage jedes Jahr neu aufgebracht werden. Zusammenfassend bemerkte Killer, dass die Mäuseproblematik beim Mulchen nicht außer Acht gelassen werden sollte. Es laufen bereits neue Versuche mit Sprühmulch und Biozement. Die Ergebnisse sollen in eine ALB-BewässerungsApp fließen, die spätestens Ende 2027 für die Anbauer zur Verfügung stehen soll.
Aktuelles zu Süßkirschen
Peter Hilsendegen vom DLR RNH hat den Obstbauern die Situation auf dem Süßkirschenmarkt verdeutlicht: „Der Höhepunkt der Wirtschaftlichkeit ist überschritten, die Gewinnspanne wird schmaler.“ Wie in allen Kulturen gibt es auch im Süßkirschenanbau Probleme mit der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln. Es fehlen Insektizide. Doch Verbraucher essen keine Süßkirschen mit Maden. Insgesamt gibt es in der EU 130 000 ha Süßkirschenanbau. Polen hat stark an Fläche abgebaut, dafür haben Serbien, Bulgarien und Griechenland Süßkirsche „aufgeforstet“, bemerkte Hilsendegen. Importe von rund 30 000 t pro Jahr kommen derzeit vor allem aus der Türkei. Italien und Spanien liefern deutlich weniger.
Der Inlandmarkt zeigte lange ein starkes Auf und Ab, wobei die Schwankungen in den letzten Jahren schwächer wurden, da mehr im geschützten Anbau produziert werde. „Dennoch wird der Handel nie ohne Importe zurechtkommen“, gab Hilsendegen zu bedenken. „Wo die Menschen Wert auf deutsche Ware legen, da kann der heimische Obstbauer noch verdienen“, sagte er. Wie bereits in den Vorjahren erwähnt, ist die Ernte der teuerste Produktionsfaktor im Süßkirschenanbau. Daher sei eine effiziente Ernte der Schlüssel zu guten Erlösen. Hilsendegen stellte noch elf Süßkirschensorten vor, die seinem Urteil nach gut, aber keine Heilsbringer sind. Es sind dies: Prim 1.9, `Nimba´, Prim 3.1, `Sweet Lorenz´, `Fertille´, `Henriette´, `Kir Vulcano´, `Kir Lamour´, Final 12.1, Final 13.1 und `Kir Rosso´.
Wie kann man die Liquidität erhöhen?
Betriebe, die sich unsicher sind, welche Kulturen oder Betriebszweige sie bei den weiter steigenden Produktionskosten abstoßen sollen, können sich an den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, hier vor allem an die AMG in Alzey wenden. Auch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz bietet Betrieben Hilfe. Unter dem Titel „Neue Wege zur Umsatzsteigerung im Betrieb – kann die Liquidität durch Dienstleistungen und SmartStores 24/7 erhöht werden?“ nahm Hildegard Runkel vom Beratungsteam Erwerbskombinationen die Zuhörer mit auf einen fiktiven Betrieb und führte die Vorgehensweise vor: Zuerst wird der bestehende Betrieb in seiner aktuellen Form mit den einzelnen Betriebszweigen ausgewertet. „Im Grunde schauen wir uns den Betrieb von oben an. Welchen Gewinnbeitrag erzielt die jeweilige Kultur? Welche Vermarktungswege sind wirtschaftlich?“, erklärte sie. Von unwirtschaftlichen Kulturen oder Vermarktungswegen sollte man sich trennen.
Elke Setzepfand
(Artikel aus GP 04/25)