08.10.2024

Blütenfröste reduzierten Ertrag

Jürgen Jakobs folgte 2001 seinem jüngerer Bruder Josef nach Beelitz. Der war dort auf seiner europaweiten Suche nach Anbaumöglichkeiten für Spargel fündig geworden. Seitdem sind beide mit ihren Familien Beelitzer und bauen auch Kulturheidelbeeren an.
Foto: Heinz

Auch die Erzeuger von Kulturheidelbeeren büßten im April 2024 – insbesondere in Brandenburg und Sachsen – durch Blütenfröste einen beachtlichen Teil ihrer Erträge ein. Doch diese Verluste sind nicht das einzige Problem, das die Betriebe aktuell bewegt. Gartenbau-Profi sprach mit Jürgen Jakobs, Mitinhaber der Jakobs Höfe in Beelitz südlich von Berlin.

gartenbauprofi: Es klingt eigentlich gut, was das Statistische Bundesamt im Februar 2024 berich­tete: „Die Anbaufläche für Kultur­heidelbeeren, der in Deutschland bedeutendsten Strauchbeerenart, ist mit 3 470 ha (+2,0 % gegenüber 2022) seit der ersten Strauchbeerenerhebung im Jahr 2012 kontinuierlich ausgeweitet worden. Damals wurden noch auf knapp 1 840 ha Heidelbeeren angebaut.“ Liegt Ihr Betrieb da im Trend?

Jürgen Jakobs: Ja und nein. Wir haben – im Rahmen unserer Spargelhöfe – den Heidelbeeranbau vor etwa 20 Jahren mit rund 3,5 ha gestartet. Danach wurde 15 Jahre lang kontinuierlich aufgestockt, bis wir bei den jetzt etwa 50 ha ankamen. Weitere Expansionspläne haben wir dann vor fünf Jahren auf Eis gelegt. Da wir einen Großteil unserer Flächen zugepachtet haben, könnten wir Verträge auslaufen lassen.

gartenbauprofi: Und das obwohl die Statistik zwar von etwas schrumpfenden Wachstumsraten im Verbrauch aber nach wie vor von zunehmender Nachfrage spricht?

Jürgen Jakobs: Da muss man aber differenzieren, woher die Ware kommt, die da nachgefragt ist. Mehr denn je wird der deutsche Markt von Importen geflutet. Und dabei wird der entscheidende Unterschied sichtbar: Wir können diesem Importdruck mit unserer Kostenstruktur nicht mehr lange standhalten. Die auf einigen Wahlplakaten schon auftauchenden 15 € Mindestlohn könnten den Todesstoß für die Beerenproduktion hierzulande bedeuten. Hinzu kommt, dass die Qualität der Arbeitskräfte nicht gerade zunimmt. Die Besten suchen irgendwo in Europa eine Festanstellung. Wirklich zufrieden sind wir hingegen mit den Studenten aus Polen und der Ukraine.

gartenbauprofi: Das heißt, Sie setzen auch nicht auf eine in absehbarer Zeit mögliche maschinelle Ernte?

Jürgen Jakobs: Nein, da sehe ich bestenfalls Licht am Horizont, zumal wir die Pflücker drei- bis viermal durch die nach und nach reifenden Bestände schicken müssen.

gartenbauprofi: Lassen Sie uns mal über die Anlagen reden. Ihre Pflanzen sind vor fünf bis 20 Jahre in die brandenburgische Erde gekommen; sie sind also jugendlich fit oder geraden in den besten Jahren. Welche Sorten sind das und reizen Sie die neu auf den Markt kommenden Premium-Sorten nicht, damit weiterzumachen? Oder gar für die Neuen zu roden?

Jürgen Jakobs: Wir haben die sechs bis acht in den vergangenen Jahren gängigen Sorten wie `Duke´, `Bluecrop´, `Elliot´, `Elizabeth´ oder `Liberty´ angebaut und rechnen bei denen unter durchschnittlichen Wetterbedingungen mit 4 000 bis 6 000 kg pro ha. Wenn wir jetzt nach Premium-Sorten greifen würden, hätte der Verbraucher nur noch diese größeren Beeren im Blick – und das vermutlich, ohne deutlich mehr bezahlen zu wollen. Wir würden uns also selbst aus dem Rennen werfen. Auch hier legen wir die Entscheidungen erst einmal auf Eis.

gartenbauprofi: Wie kommen Ihre Heidelbeeren eigentlich auf den Markt und wie sehen Sie die aktuelle Preissituation?

Jürgen Jakobs: Einen ganz geringen Teil, insgesamt 5 %, verkaufen wir über die Hofläden und die Selbstpflücke. Die Masse geht direkt über die Lager von Einzelhandelsketten, die von einer guten Nachfrage berichten. Was die Preise anbetrifft, handeln wir Woche für Woche die Konditionen aus. Seit dem Anfang der Saison liegen wir bei 5-6 €/kg. Aber: 5 € sind unsere Schmerzgrenze; darunter wäre die Produktion nicht mehr rentabel!

gartenbauprofi: Spüren Sie, ob der Verbraucher spezielle Sorten und regionale Ware sucht?

Jürgen Jakobs: Einzelne Supermarktketten wollen die Regionalität als Alleinstellungsmerkmal – da schreiben wir die Herkunft wie gefordert auf die Verpackung. Aber ganz allgemein beobachte ich, dass der Verbraucher nicht wie bei anderen Früchten über Sorten nachdenkt.

gartenbauprofi: Wie läuft die aktuelle Saison auf Ihren Anlagen?

Jürgen Jakobs: Die tiefen und langanhaltenden Fröste im April trafen viele Blüten und brachten 40 % Ausfall insgesamt. Das heißt auf manchen Anlagen liegt das Minus bei 30 %, auf anderen aber auch um die 70 %. Daraus folgt, dass wir in einigen Teilen die dritte oder vierte Pflücke ausfallen lassen und einen kleinen Teil unserer 150 Saisonkräfte nach Hause schicken. Allerdings bleibt der Aufwand – bei sinkenden Erträgen – fast wie bisher.

Die Regenfälle sind ein Glücksfall für uns, wobei wir bei der möglichen Reduktion der Wassergaben natürlich die Konzentration des Düngers im Wasser verändern müssen. Über den Krankheitsdruck können wir dieses Jahr ebenfalls nicht klagen. Wir konnten uns bisher aller Angriffe erwehren; selbst die anderswo stark auftretende Kirschessigfliege ist bei uns nicht angekommen.

gartenbauprofi: Sie sprachen mehrmals vom Auf-Eis-Legen. Das bedeutet für Sie…

Jürgen Jakobs: …dass wir die Entscheidungen der neuen Generation überlassen. Sowohl mein jüngerer Bruder Josef als auch ich sind über 50 Jahre alt und unsere Nachfolger treten auf absehbare Zeit in die Startlöcher. Wenn sie dann die Verantwortung tragen, wird vieles deutlicher sein als heute.

Marlis Heinz

(Artikel aus GP 10/24)