42. Bodensee-Obstbautage: Mehr Geschlossenheit gefordert
Am 23. Februar fanden im Rahmen der Fruchtwelt Bodensee die 42. Bodensee Obstbautage statt. Die Begrüßung erfolgte durch Erich Röhrenbach, Vorsitzender der Obstbauregion Bodensee e.V., und Dr. Manfred Büchele, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee(KOB). Grußworte übermittelten Jens Stechmann, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, und Franz Josef Müller, Präsident des Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg e.V.
Als Redner war Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geladen. Die sich anschließende Podiumsdiskussion, an der neben Minister Hauk noch Tim Strübing (Geschäftsführer Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft), Thomas Heilig (Vorsitzender Obstregion Bodensee e.V.) und Robin Halle (Mitglied der Chefredaktion und Leiter Aktuelles, Schwäbische Zeitung) teilnahmen, stand unter dem Motto: „Gemeinsam für eine zukunftsfähige regionale Obstproduktion – Wo sind die Stellschrauben entlang der Obstwertschöpfungskette?“
Mangelde Wertschätzung
In seiner Eröffnungsansprache verwies Erich Röhrenbach darauf, dass in der Saison 2023 mit 226 000 t rund 13 % weniger Äpfel geerntet wurden als im Vorjahr, dies aber durch höhere Marktpreise aufgefangen werden konnte, da die Ernte in Deutschland und Europa insgesamt geringer ausfiel. Bei Birnen konnten am Bodensee sogar 13 % mehr als im Vorjahr geerntet werden, bei guten Marktaussichten. Getrübt wurden die guten Aussichten durch gestiegene Energiekosten, weiter steigende Mindestlöhne und Aufwendungen die durch zunehmende Bürokraite zu Mehrbelastungen führten. Er forderte eine detaillierte Herkunftsbezeichnung vor allem auch bei verarbeiteten Produkten, um die Verbraucher besser zu informieren. In einem bewegenden Schlusswort, beklagte er mangelnde Wertschätzung und mangelnden Zuspruch von Seiten der Politik und streifte sich eine gelbe Warnweste mit dem Aufdruck „Landwirt der letzten Generation“ über.
Jens Stechmann betonte, dass er seit Generationen Landwirt sei, ebenso wie sein Sohn und Schwiegersohn und dass er alles dafür tun werde, eben nicht „Landwirt der letzten Generation“ zu sein. „Daran müssen wir arbeiten und der Gesellschaft zeigen, dass wir eben nicht die letzte Generation sind“, forderte Stechmann.
Minister Peter Hauk betonte die Rolle der grün/schwarzen Landesregierung beim „Nein“ zur Sustainable Use Regulation (SUR) und beklagte zunehmende Regulierungen durch die EU – wies aber zugleich darauf hin, dass ein Abbau von Bürokratie schwierig sein dürfte, „man müsse vielmehr verhindern, dass es noch mehr werde“. Er bekannte sich zur Flächensubvention in ihrer bisherigen Form.
Mindestlohn erschwert Wettberwerbsfähigkeit
In der Podiumsdiskussion betone Thomas Heilig, dass es die hohen Mindestlohnkosten seien, die die Wettbewerbsfähigkeit erschwerten und er forderte, geringere Löhne für reine Saisonkräfte. Er verwies darauf, dass er den Mindestlohn generell für gerechtfertigt halte, jedoch Saisonarbeitskräfte nicht die hier herrschenden Lebenskosten zu tragen hätten.
Peter Hauk betonte die Förderung einer gesunden und nachaltigen Ernährung sowie die Sicherung regionaler Wertschöpfungsketten als zentrales Anliegen der Landesregierung.
Selbst gefordert, etwas zu ändern
Tim Strübing, seit Mai 2023 neuer Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, wies darauf hin, dass zu viele Obstvermarkter parallel tätig seien und dies von den Märkten ausgenutzt werde. Hier sei der erste große Ansatz zur Veränderung. Da er sich als Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft nicht darauf verlassen könne, dass politische Maßnahme unverzüglich eingestellt werden, um die Situation zu verändern, sei zunächst Selbsthandeln gefragt: „Wir können was ändern am Bodensee, und haben die Möglichkeit anzupacken, Dinge zu identifizieren und neu auszurichten, das ist im Moment mein Hauptfokus.“
Zu viele Sorten am Markt
Zur Situation in den Märkten führte er aus: „Der Handel kann es sich unmöglich vorstellen, dass das Produkt Apfel irgendwann einmal aus dem Regal verschwindet.“ Dennoch sei die zunehmende Sortenvielfalt überfordernd für diesen. Es sei in der Vergangenheit versäumt worden geeignete Sorte, die wirtschaftlich in der Produktion seien, den Geschmack der Verbraucher treffen und eine gute Stabilität aufweisen, um im Regal eine Zeit lang frisch zu bleiben, auszuwählen. „Nach Jahrzehnten der Null-Entwicklung und Stagnation des Sortenspektrums sind in den letzten 15-20 Jahren stetig neue Sorten dazugekommen, während alte Sorten nicht reduziert wurden.“ Um dies zu ändern wurde ein Sortengremium gebildet, das aus Vertretern der Produktion, der Obstgroßmärkte, den Anbauberatern der Erzeugerorganisationen und Vertretern des Vertriebs besteht um eine vernünftige Sortenstrategie zu erarbeiten.
Zu den Preisen sagte Strübing, dass sich das derzeitige Preisniveau deutlich von dem der letzten sieben Jahre abhebe und dass es gelte dieses jetzt zu stabilisieren und zu schützen. Wettbewerbsprodukte aus Südeuropa hätten in dieser Saison nicht ausreichend zur Verfügung gestanden, Zitrusfrüchte aus Spanien hätten Preissteigerungen von bis zu 60 % verzeichnet, was zu einer gesteigerten Beliebtheit heimischer Produkte geführt habe. Wichtig sei es das Preisniveau zu halten, auch wenn wieder mehr Ware am Mark verfügbar sei, so dass der Handel nicht wieder in alte Muster verfalle, erneut Preisdruck auszuüben. Das sei ambitioniert aber es würde gelten „knallhart gegenzuhalten und mit guten Konzepten zu kontern.“
Armin Weiß
(Artikel aus GP 05/24)
