09.03.2023
Norddeutsche Obstbautage in Jork

Peter Palm, Palm Baumhandel GbR aus Jork, informierte die beiden Landtagsabgeordneten Birgit Butter (CDU) und Corinna Lange (SPD) über den Obstbau des Alten Landes. Schwarz sieht der Obstbauer die Zukunft nicht: „Krisen waren immer die Chancen des Alten Landes“
Foto: von Hollen
Doch nicht nur moderne Technik ist auf der Messe zu finden, sondern auch Züchter neuer interessanter Sorten zeigen den Obstanbauern wohin die Reise in Zukunft gehen könnte.
Die Züchtungsinitiative Niederelbe e.V. ist ein Zusammenschluss von Obstanbauern, die in Eigeninitiative neue Sorten züchten, um sich vom Markt abzuheben und den Anbau sowie die Vermarktung der neuen Sorten selbst zu steuern. Die Initiative stellt auf der Messe Apfelsorten vor, die von Allergikern verzehrt werden können. Die Sorte `Deichperle´ entwickelt sich mit ihrer süßen, aromatischen Frucht am Markt sehr gut, ist schorfresistent und so auch für den Bio-Anbau geeignet. Weitere Sorten stehen kurz vor der Marktreife.Rund um rote Birne und rotfleischiger Apfel Besonderes Aufsehen erregte Philip Köpcke, Obstbaumhandel Köpcke aus Jork, mit seinen Obstbaumneuheiten. Einige alte Sorten wie z.B. `Jonagold´ seien nicht mehr rentabel und müssten dringend ersetzt werden, meint der 26-Jährige. Auch die starke Konkurrenz aus Übersee müsse dazu führen, sich mit neuen Sorten auseinanderzusetzen, um sich am Markt künftig zu etablieren. Der Anbau von Clubsorten sei dabei eine gute Lösung. An seinem Stand sprangen z.B. die auffällig rote Birne `Red Modoc´ sofort ins Auge. Diese schöne Frucht wird exklusiv für Lidl in Deutschland produziert. Die Sorte kommt aus den USA. Die wüchsige Sorte blüht eine Woche nach `Conference´ und wird auch einen Monat nach `Conference´ gepflückt. Auch der Apfel TC3 Lucy Glo beeindruckte die Messebesucher sehr. Die mit intensiv rotem Fruchtfleisch und heller Schale ausgestattete Frucht ist für die Direktvermarktung sehr geeignet. Aber auch für die Herstellung von Cider oder rotem Apfelsaft findet der besondere Apfel Verwendung. Der Gärtnermeister Köpcke warnt aber vor zu viel Euphorie. Bei all den Vorteilen, sich für neue Sorten zu entscheiden, sei es wichtig, dass die Obstbauern ihre Standardsorten wie `Elstar´, `Gala´ und `Braeburn´ nicht vernachlässigen. Jeder Betriebsleiter müsse für sich einen guten Mittelweg finden. Gepfefferte Meisterrede Einen Tag vor Eröffnung der Ausstellung hatten die Obstbautage, der Tradition folgend, mit der verbandspolitischen Tagung der Fachgruppe Obstbau des Landvolkes Niedersachsen in Jork begonnen. Regelmäßig hält der amtierende niedersächsische Landwirtschaftsminister die Festrede. In diesem Jahr kam zum ersten Mal Ministerin Miriam Staudte von den Grünen. Dass ihre Rede auf deutliche Kritik bei den Obstbauern des Alten Landes stieß, machte insbesondere Simon Kossack deutlich. Der junge Mann ist einer der 19 frischgebackenen Gärtnermeister und Gärtnermeisterinnen der Fachrichtung Obstbau des Jahrgangs 2020 bis 2022. Ihm wurde die Ehre zuteil, anlässlich der Meisterbriefübergabe die Meisterrede zu halten und er nutzte die Gelegenheit für deutliche Worte. Simon Kossack forderte die Ministerin auf, für alle Obstbauern Politik zu machen und mit der „Treibjagd“ auf diejenigen, die integriert wirtschaften, aufzuhören. Damit würde sie der Umwelt keinen Gefallen tun. „Wir Obstbauern wollen diese Spaltung nicht!“, machte der Meister deutlich. Wenn es bis 2030 tatsächlich gelänge, den Öko-Anbau auf 30 % auszuweiten, was wäre dann mit den restlichen 70 % der integriert bewirtschafteten Fläche, sei das dann alles Abfall, was da produziert würde, fragte der junge Obstbauer provokant. Auch dass Obst für die Schulen besser aus ökologischem Anbau kommen sollte, erwecke den Eindruck, dass integriertes Obst weniger gesund sei. Das könne man nicht akzeptieren, da es überhaupt nicht wissenschaftlich nachweisbar sei. Kossack will eine Politik, die den Landwirten Rückendeckung gibt, die auf Fakten basiert, nicht auf Ideologie und die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit gewährt, um z.B. Obst für Schulen zu ermöglichen und bei der Einrichtung eines Schulfaches „Ernährung“ hilft. „Wir wollen keine Almosen!" versichert Kossack. Ziel sei es, die eigenen gesunden Produkte, die unter bestmöglichen Standards für Umwelt und Natur erzeugt würden, zu einem akzeptablen Preis zu vermarkten. Der junge Obstbauer lud die Ministerin ein, sich vor Ort im Alten Land selbst ein Bild darüber zu machen, was der Obstbau leistet, um nicht nur gesundes Obst zu produzieren, sondern auch Umwelt und Natur zu schützen. „Sie haben sich den Job als Ministerin ausgesucht, Ministerin Staudte, bitte arbeiten Sie jetzt mit uns und nicht gegen uns“, schloss der engagierte Jungmeister. Josefine von Hollen