Kommentar: "Eine Erde, verschiedene Welten"
Am 4. Februar ist in Berlin die 33. Fruit Logistica gestartet. Mit ca. 2 600 Ausstellern aus rund 90 Ländern ist die Messe ein zentraler Treffpunkt der internationalen Obst- und Gemüsebranche. Erwartet werden FachbesucherInnen aus über 150 Nationen. Die Fruit Logistica versteht sich damit als führende Fachmesse für den globalen Fachhandel und als Bindeglied für die gesamte Wertschöpfungskette der Obst- und Gemüsebranche – vom Erzeuger bis zum Verbraucher.
Manche Besucher der Fruit Logistica werden sich im Nachgang zur Messe vielleicht auch einmal die Frage stellen, was diese Welt der Obst- und Gemüsebranche im Hochglanzformat mit den realen Abläufen in den Praxisbetrieben gemeinsam hat – wahrscheinlich ist diese Frage aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln gerechtfertigt. Doch am Ende steht immer im Mittelpunkt, wie man mit den eigenen Produkten die Konsumenten überzeugen und zu einem Kauf bewegen kann. Vom Züchter bis zu den Handelspartnern ist dabei die gesamte Lieferkette gefordert.
Mit einer Lesergruppe unserer Magazine bin ich gerade von einer Fachstudienreise aus Kenia zurückgekehrt. Wir konnten dort u.a. Einblicke in hochentwickelte Gartenbaubetriebe mit Gemüse- und Beerenanbau oder der Kultur von Schnittrosen gewinnen. In einem dieser Betriebe wurde auf 4 000 ha Gemüse ganzjährig nach modernen Standards mit Tropfbewässerung für den Export u.a. nach Europa angebaut.
Pflanzmaschinen gibt es nicht, die menschliche Arbeitskraft ist günstiger und trägt zudem dazu bei, dass die Mitarbeiter ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften können und der soziale Frieden im Land gewahrt bleibt. Zum Betrieb gehören auch 600 ha hohe Folienhäuser, in denen Schnittrosen u.a. für den Export nach Europa angebaut werden. Insgesamt sind 15 000 Menschen im Betrieb beschäftigt. Der Tageslohn für einfache Arbeiten liegt bei etwa einem Drittel des Mindestlohns, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland für eine Stunde Arbeit erhalten. Die Bereitschaft der Menschen dort zu arbeiten ist bei ca. 40 % Arbeitslosigkeit im Land enorm, was sich auch in deren Arbeitsweise widerspiegelt.
Vergleicht man dies mit den Rahmenbedingungen vor Ort, wird sehr schnell deutlich, unter welch ungleichen Voraussetzungen wir für einen Markt produzieren. Entscheidend für den Erfolg unserer Betriebe wird sein, das Bewußtsein der Konsumenten und des Handels sowie der politisch Verantwortlichen für den Anbau in unseren Regionen, der unter höchsten Umwelt- und Sozialstandrads stattfindet, weiterhin zu fördern und ihnen deutlich zu machen, wie wichtig eine Produktion vor Ort ist.
Thomas Kühlwetter
(Artikel aus OGP 02/26)
