08.12.2025

Kommentar: "Das Positive nicht vergessen"

Thomas Kühlwetter: „Unser Beruf, das Leben auf den Höfen und das

Die Wochen vor dem Weihnachtsfest sind immer eine besondere Zeit im Jahr. Die kürzer werdenden Tage und die langen Abende laden dazu ein, mal etwas Abstand vom Alltagsgeschehen zu gewinnen und die Gedanken auf andere Dinge zu lenken, die nicht selten etwas zu kurz kommen. Gäbe es diese Zeit noch nicht, dann müsste sie erfunden werden.

Einen Sonderkulturbetrieb zu führen oder auf einem solchen Betrieb zu arbeiten, ist in vielfacher Hinsicht eine besondere Herausforderung. Kaum ein Tag ist wie der andere, immer wieder entstehen neue Probleme und Fragestellung – schnelle Entscheidungen und Antworten müssen gefunden werden, Pragmatismus ist dabei oft gefragt, ….. denn am Ende muss es weitergehen und das Ergebnis zählt. Es gibt keinen „nine to five job“ auf den Betrieben, keine „Schönwettergarantie“, kaum ein im Vorfeld planbares freies Wochenende.

Statt dessen gibt es häufig zu viel Arbeit für zu wenige Arbeitskräfte, ständig wiederkehrende Probleme bei der Gesunderhaltung von Pflanzen und Beständen, einen Mangel an geeigneten Mitarbeitern. Kaum eine Woche vergeht ohne Kontrolle: Arbeitsschutz, Bauamt, Brandschutz, Wasserschutzbehörde, Eichamt, Rentenversicherung, Umweltbehörde, Lebensmittelkontrolle, Gesundheitsamt, Konformitätskontrolle, QS- und Global-Zertifizierung, Berufsgenossenschaft. Sie können die Reihe aus eigener Erfahrung wahrscheinlich noch erweitern.

Der Mindestlohn und viele weiteren Kosten steigen, und dies oft in einem Maßstab, der mit den Einnahmen in ihren Betrieben nicht deckungsgleich ist. Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel schreitet nochmals weiter voran und die Konzerne diktieren die Preise. Die Rendite, so sie denn noch vorhanden ist, unterliegt im Jahresvergleich erheblichen Schwankungen und zeigt im Vergleich zu den Kosten, die permanent steigen, einen Trend nach unten. Und damit steigt auch das Risiko für Investitionen, die zwingend erforderlich sind, um die Chancen auf Erfolg in der Zukunft zu wahren.

Während in der öffentlichen Diskussion die Angebote „aus der Region“ von den Verbrauchern befürwortet und von der Politik gefordert (aber nicht aktiv unterstützt) werden, fällt die Entscheidung bei den Einkäufern der Handelsunternehmen und die Entscheidung der Kunden an den Kassen leider oftmals nicht zu Gunsten des Angebots aus der Region. Das Nachsehen haben die Betriebe.

Und damit ist auch schon vieles von dem angesprochen, was die Menschen in den Erzeugerbetrieben befasst und bewegt. Dahinter schwingt unterschwellig immer wieder eine gewisse Unsicherheit darüber, was die Zukunft bringen wird, mit. Gerade dies ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt, wenn es um die Frage der Betriebsnachfolge geht.

Doch all dies ist nur eine Seite der Medaille, denn unser Beruf, das Leben auf den Höfen und das Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft haben auch viele positive Seiten, die in manchen Momentaufnahmen viel zu kurz kommen. Ein Blick auf das Geschehen in manchen Teilen der Welt oder auf das Handeln einiger Autokraten und solcher, die gerade mit ungebrochener Entschiedenheit auf dem Weg dorthin sind, kann in manchen Momenten hilfreich sein.

Trotz aller Vorgaben ist die Freiheit ein unschätzbares Gut in unserer westlichen Gesellschaft. Wenn Sie sich einmal zurücklehnen und darüber nachdenken, was trotz der vorgenannten Aspekte auf die Positivliste beim Leben auf den Höfen gehört, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass dort viele entscheidende Punkte aufzuführen sind und am Ende überwiegen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, ihren Familien und Mitarbeiten im Namen unserer Redaktion und des Verlages ein frohes Weihnachtsfest, viel Glück und Erfolg im neuen Jahr.

Thomas Kühlwetter

(Artikel aus GP 12/25)